Osterzigaretten

Zeitlicher Aufwand: mittel

Ursprung

altbayerischer Brauch, ausgeübt in Thierhaupten

Das Brauchtum vom Austeilen der „Osterzigaretten“ bürgerte sich in unserem Heimatort ein, wurde gerne und vermehrt bei der damaligen Jugend praktiziert und hielt sich in Thierhaupten viele Jahre lang.

Heute kennen wir diese Sitte nur noch aus Erzählungen.

Kurzbeschreibung

Ein Mädchen lädt zum Karsamstagabend einen Burschen ein,  bei ihrem Kammerfenster zu klopfen - sie will ihn beschenken mit Zigaretten (wenn er Raucher ist) oder Schokolade (Nichtraucher) zum Dank für das Auffordern zum Tanz während des Jahres.
Der Bursch kleidet sich in Tracht, beschafft sich eine Leiter und klopft bei der Dämmerung am Fenster des Mädchens von außen an

Ablauf

Osterzigaretten – ein Thierhauptener Osterbrauch

Erzählt von Benno Weixler, Ehrenvorstand vom Heimat- und Trachtenverein Thierhaupten eV, aus seiner Jugendzeit

Es war nach 1945 und der 2. Weltkrieg war zu Ende. Endlich war Frieden und die jungen Leute atmeten auf – das Tanzen war nach 6 langen Jahren aufgezwungener Tanzpause wieder erlaubt. Zuerst begannen Burschen in Thierhaupten  mit dem Schuhplatteln am Abend nach getaner Arbeit in heimatlichen Stuben.  Der Benno Weixler, seine Brüder Adolf, Anton, Franz und Leonhard vom sogenannten „Lachaweberhof“ und Freunde übten fleißig und hatten auch recht viel Freude dabei. Als sie sich an den „Steirer“ wagten, brauchten sie Mädchen zum gemeinsamen Tanzen. Beim Anwesen Pröll, mit Hausnamen „Goßner“,  gab es 3 Schwestern, die Anni, die Rosi und die Resi. Deren Eltern waren aufgeschlossen, die Mädchen lustig und es wurde zur Gewohnheit, dass die jungen Kerle zum Üben kommen konnten. Gemeinsam probten sie die Tanzfolgen. Die Rosi und die Anni zu drehen, war ein Leichtes. Bei der Resi war es schon schwieriger, sie war größer gewachsen und so hat sie sich des Öfteren beklagt, immer als Letzte aufgefordert zu werden. Das Tanzen war trotzdem etwas Wunderschönes. Geschäftig waren die Jugendlichen bei der Sache. Ihre Tanzkünste konnten sie auf den 3 bis 4 Faschingsbällen beweisen, die damals in Thierhaupten abgehalten wurden.
Danach begann die 40-tägige Fastenzeit und somit war wieder Schluss mit lustig.
Zum Karsamstagabend erhielt der Weixler Benno eine Einladung von den „Goßnermädchen“.
Er sollte am Abend zusammen mit dem Huber Herbert und dem Schaller Sepp zu ihnen kommen. Ausnahmsweise dieses Mal aber nicht ins Haus gehen, sondern an ihrem Fenster klopfen.
Vorsorglich hatten sich die Buben eine Leiter besorgt, so konnten sie von einem Mäuerlein aus an das angepeilte Zimmer von außen gelangen, das im oberen Stock lag. Der Benno und der Sepp stiegen hinauf, klopften an und das Fenster wurde geöffnet. Die guten Freunde wurden zum Dank  für die schönen, zahlreichen Tanzstunden und dem fleißigen Auffordern bei den Faschingsbällen mit Zigaretten und Schokolade von der Rosi, der Resi und der Anni beschenkt.  Das hat sich der Benno bis heute gemerkt – geheiratet hat er aber die Schalk Maria vom „Michabauer

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